Wir brauchen Fachkräfte aus dem Ausland
Nach Ansicht der Liberalen führt nicht zuletzt der demographische Wandel dazu, dass man künftig verstärkt auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen sein wird. Geregelt werden sollte diese qualifizierte Zuwanderung durch die Einführung eines Kriterienkatalogs. Kriterien wie Sprachkenntnisse, Ausbildung und die Arbeitsmarktlage sollen berücksichtigt und somit gezielt der Wirtschaftsstandort gestärkt werden. Zugleich sei dabei aber auch ein liberales Bleiberecht, Chancengerechtigkeit im Bildungswesen und ein Abbau von bürokratischen Schranken beim Ausländer- und Arbeitsmarktrecht notwendig.Deutschland ist mittlerweile ein Abwanderungsland
Im Interview mit der "Passauer Neuen Presse" bezeichnete Johannes Vogel den Fachkräftemangel als "immer größeres Problem". Inzwischen würden sogar mehr Menschen aus Deutschland abwandern als zu uns kommen - gerade auch Menschen mit türkischen Wurzeln. Dabei benötige Deutschland nicht weniger, sondern erheblich mehr gesteuerte Zuwanderung. "Der Wettbewerb um die klügsten Köpfe muss endlich ernstgenommen werden", sagte Vogel und beklagte, dass Deutschland im Moment nicht das bevorzugte Zuwanderungsland sei.
Vogel warnte davor, die Qualifizierung und Vermittlung von Arbeitslosen in Beschäftigung nicht im Widerspruch zur notwendigen Zuwanderung zu sehen. "Natürlich müssen wir alles daran setzen, jedem Langzeitarbeitslosen eine Perspektive zu geben. Schon jetzt fehlen aber Zehntausende Ingenieure in Deutschland. Nicht jede der freien Stellen werden wir mit einem deutschen Arbeitslosen besetzen können." Zumal jeder Hochqualifizierte, der ins Land kommt, durch seine Leistung weitere Arbeitsplätze schaffe, so der arbeitsmarktpolitische Sprecher der FDP-Fraktion.
Damit Deutschland attraktiver werde, forderte Vogel "eine sehr viel stärkere Willkommenskultur". Die komplizierten deutschen Zuwanderungsbestimmungen liefen dem Anliegen, um die klügsten Köpfe zu werben, vollkommen zuwider. "Wer sich für Deutschland interessiert, darf nicht durch komplizierte Regeln und Verfahren abgeschreckt werden", so Vogel.
Westerwelle plädiert für fordernde Integration
In der aktuellen Debatte zur Integration der in Deutschland lebenden Migraten spricht sich Außenminister Guido Westerwelle für eine "fordernde Integration" aus. Einwanderer müssten "unser Wertesystem akzeptieren", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ). Westerwelle lehnt es zugleich "mit Entschiedenheit ab, mit kultureller Herkunft oder angeblicher religiöser Identität zu erklären, wenn Minderheiten diskriminiert oder Frauen und Mädchen unterdrückt werden". Integration habe "nichts Romantisches, sondern etwas sehr Forderndes".
Homburger: Integration ist keine Einbahnstraße
Mit Blick auf die Rede von Bundespräsident Christian Wulff erklärt die FDP-Fraktionsvorsitzende Birgit Homburger im Interview mit der ''Neuen Osnabrücker Zeitung'', dass dieser erneut den Impuls für einen Dialog gesetzt habe. "Die Debatte dürfen wir nicht Polarisierern wie Thilo Sarrazin überlassen", so Homburger. Zugleich sei aber auch klar, dass Integration keine Einbahnstraße sei. "Wer in unser Land kommt, muss die Bereitschaft mitbringen, sich zu integrieren. Ein Zuwanderer muss die deutsche Sprache erlernen und unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung wie auch unser Rechtssystem akzeptieren", erklärt Homburger. "Wir müssen beim Thema Integration endlich von den alten Reflexen wegkommen und sachlich miteinander reden." Sie verweist darauf, dass die Regierung aus Union und FDP die Mittel für Integrationskurse aufgestockt hat. So werden 2010 dafür 218 Millionen Euro bereit gestellt - 44 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Dazu kommen jetzt noch einmal 15 Millionen Euro.
