Wie die Energiewende gelingt
Patrick Kurth bei seinem Eingangsstatement Unter der Moderation von Henning Krumrey, dem stellvertretenden Chefredakteur und Leiter des Hauptstadtbüros der "WirtschaftsWoche", diskutierten Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verbänden. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Patrick Kurth hinterfragte in seinem Eingangsstatement den Begriff der „Energiewende“, da der Ausstieg aus der Atomkraft schon im Energiekonzept der Bundesregierung aus dem vergangenen Herbst festgelegt wurde. Er verwies auf die gewaltige gesellschaftliche Aufgabe, die sich mit dem schnelleren Atomausstieg ergebe. Für Kurth stellt die Energiewende die größte nationale Aufgabe seit der Wiedervereinigung dar. „Der Ausstieg aus der Kernkraft ist kein Spielbällchen einzelner politischer Themen und Interessen“, sagte Kurth. Vielmehr müsse die in Angriff genommene Energiewende gesamtgesellschaftlich bewerkstelligt werden.Dem pflichtete
Hans-Joachim Otto erläutert die Energiewende Hans-Joachim Otto, parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie bei. Insbesondere komme es jetzt darauf an, dass bei der eingeleiteten Energiewende drei Maßgaben eingehalten würden: 1. Sicherheit der Kraftwerke, 2. Versorgungssicherheit und 3. bezahlbare Energiepreise für Verbraucher und Industrie. Es sei sehr leicht, bestimmte Dinge in den Raum zu stellen und sich mit immer schnelleren Atomausstiegsszenarien zu überbieten. Es sei aber sehr viel schwieriger, diese dann auch in einer bezahlbaren und realistischen Weise umzusetzen. Die Bundesregierung werde nicht in „Sonntagsreden“ unhaltbare Versprechungen machen, sondern die Herausforderungen in vernünftiger Art und Weise angehen und die nötigen Konzepte Schritt für Schritt erarbeiten. Dazu gehörten auch Erleichterungen und Bürokratieabbau bei der Planung von Energieanlagen und eine optimierte Förderung der Energiequellen, die eine zu starke Belastung der Bürger ausschließe. Otto: „Das ist nicht populär. Aber wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass die Energiewende eine gesellschaftliche Aufgabe ist, bei der wir alle mitmachen müssen, eine Aufgabe, die es nicht zum Nulltarif gibt.“ Als Vertreter der Erneuerbaren Energien begrüßte der Geschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft, Jörg Mayer, die Energiewende. Mit Blick auf das aktuelle Gesetzgebungsverfahren sei die Branche jedoch noch unzufrieden und wünsche sich noch mehr Anstrengungen, um die Energiewende zu beschleunigen. Gunnar Groebler, Chef der Abteilung Hydro von Vattenfall Europa, verwies darauf, dass Deutschland seit dem Atommoratorium in Folge des Reaktorunfalls in Japan bis auf drei Tage durchgängig Strom aus Frankreich importiert habe. Christian Meyer zu Schwabedissen, bei dem französischen Energiekonzern AREVA für die politischen Kontakte in Berlin zuständig, berichtete von dem Unverständnis über die Energiewende bei unseren Nachbarn. Die Franzosen verstünden nicht, warum Deutschland aus so einer günstigen Technologie aussteige. Immerhin würden drei Viertel der Energie nicht im Haushalt, sondern bei der Arbeit benötigt, warnte er vor Preissteigerungen für die Wirtschaft.
Für den energiepolitischen Sprecher der Landtagsfraktion der Thüringer Grünen, Dirk Adams, stellt die Energieeinsparung die größte Energiequelle dar. Er verwies zudem auf die Bedeutung der Photovoltaik-Branche für Thüringen. Mittlerweile arbeiteten 5000 Menschen in dem Bereich. Angesichts der steigenden Arbeits- und Rohstoffkosten sei Gewaltiges geleistet worden. Es sei falsch, wenn der Eindruck erweckt werde, dass sich die Brache dicke Gewinne eingesteckt habe.
Angelika Brunkhorst Eine Aussage, die Angelika Brunkhorst, Sprecherin Naturschutz und Reaktorsicherheit der FDP-Bundestagsfraktion in ihrem abschließenden Statement nicht unkommentiert lassen wollte. „Das EEG fördert ganz auskömmlich und komfortabel“, stellte sie klar. Sie gab zu bedenken, dass die EEG-Förderung lediglich als Anschubförderung gedacht war. „Wir müssen jetzt den Wettbewerb stärker fördern. Die erneuerbaren Energien müssen mittelfristig wettbewerbsfähig sein, so dass das EEG überflüssig wird“, forderte Brunkhorst. Sie hob die Bedeutung von technischen Innovationen auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien hervor, die jetzt mit noch mehr Engagement gefördert werden müssten. Im Vordergrund stünden dabei intelligente Netze und Speichertechnologie.In seinem Schlusswort hob Patrick Kurth hervor, dass die Diskussionsveranstaltung die enorme gesamtgesellschaftliche Bedeutung der Energiewende bestätigt habe. Die vielen kontroversen und mitunter leidenschaftlichen Beiträge sowohl von den Podiumsgästen als auch von vielen Zuhörern im Publikum hätten gezeigt, dass das Thema Energiewende die Gesellschaft verändere und von unterschiedlichen Interessen geprägt werde. Umso wichtiger sei es jetzt, die umfangreichen Herausforderungen mit Vernunft und Augenmaß, aber auch der nötigen Bestimmtheit in einem möglichst breiten gesellschaftlichen Konsens gemeinsam anzugehen.
Besuch im Pumpspeicherwerk