Wettbewerb um die besten Köpfe
FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle hieß die Gäste im Fraktionssaal der FDP willkommen. Er betonte in seinem Grußwort, dass die veränderte Hochschullandschaft und steigende Mobilität von Studierenden, einen stärkeren Wettbewerb um Talente zur Folge hätten. Unter dem Motto "Es zählt nicht, woher du kommst, sondern wer du bist", hätten die Liberalen ein "Bekenntnis zu mehr Bildungsgerechtigkeit" abgelegt, so Brüderle. Den "Bedenkenträgern" hielt er entgegen, dass mehr als 5.500 Studenten sich bereits über eine Förderung freuen dürften und drei Viertel aller Hochschulen sich am Programm beteiligen.
Pinkwart: Keine Bildungspolitik aus Sozialneid
Andreas Pinkwart, unter dessen Federführung das Nordrhein-Westfalen-Stipendium entstand, monierte die Diskrepanz zwischen "Reden und Tun", die in Deutschland herrsche. Jahrelang sei über die Einführung von Stipendien diskutiert worden, ohne nennenswertes Ergebnis. Er sehe zwar noch Verbesserungsmöglichkeiten, im Vergleich zu den vorangegangenen 50 Jahren, in denen nichts passiert sei, stelle das Deutschlandstipendium allerdings einen Sprung nach vorne dar. Lebenspraktisch müssten die Universitäten ihre Satzungen anpassen und bei der Vergabe der Bundesgelder eine zweite Verteilrunde einführen, forderte Pinkwart. Den Gegnern warf er vor, Bildungspolitik aus Sozialneid zu betreiben.
Patrick Meinhardt, bildungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, stellte sich hinter das Deutschlandstipendium. Er kritisierte die Vergabepraxis der Begabtenförderungswerke, denn nur acht Prozent der Förderung gingen an Fachhochschulen, dabei liege dort der Anteil an Studenten ohne akademischen Hintergrund bei rund 50 Prozent. Die restlichen 92 Prozent gingen an Universitäten. Meinhardt plädierte für eine zweite Vergaberunde für Universitäten, die ihre Förderquoten ausschöpfen und warb um Verständnis für den etwas schleppenden Start.
Heubisch: Jeder kann seiner Universität etwas zurückgeben
Der ehemalige Wissenschafts- und Wirtschaftsminister des Saarlandes, Christoph Hartmann (FDP), sprach über die Erfahrungen mit dem Deutschlandstipendium und wie das Saarland es geschafft hat 100 Prozent der Stipendien zu vergeben. Er erklärte, dass es neben dem Deutschlandstipendium auch die Studienstiftung Saar Stipendien vergibt. Dadurch hätte es schon vorher Strukturen gegeben, um Mittel einzuwerben. Dies habe das Fundraising erleichtert. Im Saarland werden 100 Deutschlandstipendien und 250 Saar-Stipendien vergeben. Der Unterschied zwischen Saar- und Deutschlandstipendium bestehe darin, dass Ersteres mehr ein Rekrutierungswerkzeug für Unternehmen ist, erläuterte Hartmann. Sie könnten sich direkt an den Universitäten förderungswürdige Studenten suchen und dann auch im Unternehmen fördern.
Bayerns Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Wolfgang Heubisch (FDP), stellte die Bedeutung eines durch die Bundesregierung ins Leben gerufenen Stipendiums in den Fokus. Er äußerte seine Skepsis, dass unter der Federführung der Länder so schnell, so gute Ergebnisse erzielt worden wären. Heubisch hofft, dass das Deutschlandstipendium eine Alumni-Kultur befördert. Jeder Ehemalige habe die Möglichkeit ein Stipendium zu zeichnen und so "seiner" Universität etwas zurückzugeben, so Heubisch.
Kämpfer: Kein Verständnis für Verweigerungshaltung einiger Rektoren
Für die Hochschulen sprach der Rektor der Universität Duisburg-Essen, Ulrich Radtke. Er sei von Beginn an Fürsprecher des Deutschlandstipendiums gewesen, denn durch das Deutschlandstipendium würden keine "alten Eliten" reproduziert sondern Bildungsgerechtigkeit gefördert. Nachbesserungsbedarf sieht er in der Konkurrenz zu anderen Förderinstrumenten, das Deutschlandstipendium dürfe nicht mit Bafög oder den Begabtenförderungswerken konkurrieren. Er forderte mehr Geduld von den Kritikern und die Anerkennung der erreichten Fortschritte. Radtke gab zu bedenken, dass die Elitenförderung noch im Entstehen begriffen sei und Universitätsmechanismen mitunter langsam arbeiteten.
Die Bundesvorsitzende der Liberalen Hochschulgruppen, Kirstina Kämpfer, drückte ihr Unverständnis gegenüber Universitäten aus, die ihren Studenten die Förderung verwehren. Ein weiteres Problem sei die "Medienkampagne" gegen das Deutschlandstipendium. Studenten werde "eingebläut, dass es etwas schlechtes ist", so Kämpfer.
Der stellvertretende Generalsekretär des Stifterverbandes, Volker Meyer-Guckel, lobte die fortschreitende Professionalisierung der Universitäten bei der Mitteleinwerbung. Keine der Befürchtungen, wie eine Benachteiligung von Fachhochschulen oder Universitäten in Ostdeutschland, habe sich bewahrheitet. In Anbetracht des beträchtlichen Gegenwindes sei das Ergebnis von 5.500 geförderten Studenten wirklich gut, so Meyer-Guckel. Er forderte mehr Transparenz bei der Auswertung der Ergebnisse. Die Universitäten müssten sich untereinander dem Wettbewerb um die besten Köpfe stellen, die Vergabe von Stipendien sei dabei ein Mittel sich als Studienort zu empfehlen, so Meyer-Guckel.