Homburger: Wir Frauen haben Quoten nicht nötig
Die Union debattiert derzeit die Frauenquote. Während Familienministerin Kristina Schröder (CDU) eine freiwillige und flexible Quote in Unternehmen favorisiert, will Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) eine gesetzliche Verankerung. Ein Ansinnen, dem die Liberalen eine klare Absage erteilen.
Das jetzt erfolgte Nein der Kanzlerin zur starren Quote und die Ankündigung, das Thema Frauen in der Wirtschaft voranzubringen, sei der richtige Weg, erklärt die frauenpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Nicole Bracht-Bendt. Sie sieht die Unternehmen nun in der Pflicht, "selbst die so genannte gläserne Decke aufzustoßen, damit mehr Frauen in die Führungsebene einziehen."
Schlechtes Vorbild: Schröders und von der Leyens Staatssekretäre sind alle männlich
FDP-Fraktionschefin Birgit Homburger lehnt eine Quote ab. "Wer Frauen aus der Führung ausklammert, schadet der eigenen Wettbewerbsfähigkeit. Diejenigen, die heute noch skeptisch sind, werden wegen des Fachkräftemangels bald dankbar sein, wenn sie eine Frau einstellen dürfen", sagte Homburger gegenüber "stern.de".
Frauen seien heute "höchst qualifiziert und selbstbewusst". Das müsse sich jetzt auch "in der Besetzung von Führungsgremien auswirken", sagte Homburger der "Rheinischen Post". Viele große Unternehmen bestellen ihre Aufsichtsräte und Vorstände bis 2013 neu. Homburger erwartet, dass sich der Frauenanteil in Führungspositionen dann deutlich erhöht.
Statt eine gesetzliche Quote anzustreben, rät die Liberale den Ministerinnen Schröder und von der Leyen mit gutem Vorbild voranzugehen: "Bevor man andere anklagt, sollte man erstmal schauen, was sich im eigenen Hause machen lässt. Alle Staatssekretäre der Frauenministerin Schröder, wie auch bei der ehemaligen Frauenministerin von der Leyen, sind Männer. Vorbild sieht anders aus."
Flexible Arbeitszeiten statt starre Quoten
Nicole Bracht-Bendt hält den Streit innerhalb der Union um die Einführung einer Frauenquote zudem für "kontraproduktiv und in der Sache schädlich". Statt über 30-Prozent- oder Flexi-Quote zu zanken, sollten die Ministerinnen darüber reden, warum der Anteil von Frauen in Führungspositionen verschwindend gering ist, findet die Liberale. Ursachen seien nicht nur starre Arbeitszeiten und fehlende Ganztagsschulen. "Die Ministerinnen sollten die Bildungs- und Gesellschaftspolitik mehr in den Blick nehmen", rät die Frauenpolitikerin.
Schröder-Vorschlag kein Modell für die Zukunft
Die stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende, Miriam Gruß, lehnt eine Frauenquote in Vorstandsetagen kategorisch ab. "Mit der FDP als Regierungspartner ist eine gesetzliche Frauenquote nicht zu machen", sagte sie den Zeitungen der WAZ-Mediengruppe am Samstag. Sie sieht in dem Vorschlag Schröders kein Modell für die Zukunft. Die Vorgängerregierungen hätten 15 Jahre Zeit gehabt, eine gesetzliche Frauenquote einzuführen. "Die FDP ist dafür der falsche Koalitionspartner."
Was derzeit in der Union geführt werde, sei "eine Debatte vergangener Tage". Die gegenwärtige Frauengeneration werde "wie selbstverständlich in die Vorstandsgremien kommen, die Frauen sind heute besser ausgebildet und qualifiziert als die jungen Männer und entsprechend selbstbewusster", sagte Gruß. "Ich würde mich durch eine Frauenquote eher abqualifiziert fühlen."
Birgit Homburger