11.05.2010 Das aktuelle Interview

Euro-Rettungsschirm soll die Spekulation beenden

Otto Fricke Die europäischen Staats- und Regierungschefs haben einen 750 Milliarden Euro schweren Rettungsschirm über die Eurozone gespannt. Deutschland soll mit 123 Milliarden Euro bürgen. FDP-Haushaltsexperte Otto Fricke sieht noch offene Fragen. Im ''Deutschlandradio'' machte Fricke deutlich, dass die Garantien dazu dienen sollen, "dass die Spekulation aufhört und damit am Ende dann die Garantien hoffentlich nicht gezogen werden."

Die gigantische Summe von 750 Milliarden Euro haben Europäische Union, die Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds (IWF) als Bürgschaft für die Eurozone ausgerufen. Damit sollen Spekulationen gegen den Euro eingedämmt und eine Abwertung der Kreditwürdigkeit von anderen europäischen Staaten verhindert werden. Allein die Ankündigung reichte zunächst aus, um die Talfahrt des Euros zu stoppen.

Die EZB erklärte sich zudem erstmals bereit, Staatsanleihen von Euro-Ländern zu kaufen und so die Kurse zu stützen. Am Dienstag will das Bundeskabinett in einer Sondersitzung die deutsche Beteiligung am Rettungsschirm beschließen. Am frühen Nachmittag kommt die FDP-Fraktion in Berlin zu einer Sondersitzung zusammen, bei der es in erster Linie um den Milliarden-Rettungsschirm gehen wird. Im Bundestag soll das Paket in den kommenden Wochen abgesegnet werden.

FDP-Haushälter Fricke sieht noch offene Fragen

Der Parlamentarische Geschäftsführer und haushaltspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Otto Fricke, sieht noch Klärungsbedarf. Unklar sei, wie genau die Finanzströme verliefen, woher das Geld für die erste Tranche komme und ob die Europäische Zentralbank in ihrer Unabhängigkeit bedroht sei. Fricke sprach sich auch für den Aufbau einer europäischen Ratingagentur aus. Fricke fordert in dem Interview auch "Druckmittel und Hebel", um Staaten dazu zu bringen, dass sie schließlich weniger ausgeben als sie einnehmen.

Homburger: Stabilisierung des Euros hat Priorität

FDP-Fraktionschefin Birgit Homburger machte im dpa-Gespräch deutlich, dass zunächst die Stabilisierung des Euros absolute Priorität hat.

Hintergrund

Vergangenen Freitag hatte der Bundestag ohne die Stimmen der SPD das Hilfsprogramm für Griechenland verabschiedet. Mit 22,4 Milliarden Euro an Krediten beteiligt sich der Bund an der Rettung des Landes. "Wir wollen nie vergessen, was uns Europa wert ist" sagte Außenminister Guido Westerwelle (FDP). FDP-Fraktionschefin Birgit Homburger (Video) sprach von einem "Schutzschirm für den Euro".

Bericht: Bundestag beschließt Griechenland-Hilfe (07.05.2010)
Gesetz zum Erhalt der Stabilität der Währungsunion
Entschließungsantrag der Fraktionen der CDU/CSU und FDP

Argumentationspapier zu den Finanzhilfen für Griechenland
Fragen und Antworten zur Griechenland-Krise