Brüderle schlägt Treuhand für Athen vor
"Wenn Athen nicht nachweist, dass es seine Strukturreformen und Sparziele schafft, dann muss und wird es Konsequenzen geben", sagte Brüderle im Redaktionsgespräch mit der "Mainzer Allgemeinen Zeitung". Einen möglichen Staatsbankrott schloss Brüderle nicht aus. Dieser "wäre zwar bitter, aber notfalls beherrschbar". Die helfende Hand bliebe ausgestreckt, "aber die EU muss die Überzeugung gewinnen, dass die Griechen es schaffen".Brüderle stellte aber klar, dass Europa auf Befindlichkeiten und Mentalitäten acht geben müsse. "Griechenland ist ein souveräner Staat". Einen "Sparkommissar" nach Athen zu schicken, hält der Fraktionschef daher für falsch. Als "tragisch" bezeichnete der Liberale, dass offenbar schon viele reiche Griechen ihr Vermögen in Sicherheit gebracht hätten "und es wieder mal die Kleinen" treffe.
Eurobonds bleiben tabu
Eurobonds erteilte Brüderle nach wie vor eine Absage: "Es kann doch nicht sein, dass Griechenland, wenn es Vabanque spielt, denselben Zinssatz zahlt, wenn es sich Geld leiht, wie Deutschland, das sparsam agiert."
Mit Blick auf die geopolitische Lage hält Brüderle derzeit ein "Europa der zwei Geschwindigkeiten" für notwendig. Denn um aufstrebenden Nationen wie China ökonomisch langfristig Konkurrenz machen zu können, dürfe sich Europa nicht nach den Langsamsten richten. "Der Motor wird künftig die Achse Paris - Berlin sein, alle anderen sind herzlich eingeladen", sagte Brüderle an die Adresse der Briten.
Finanztransaktionssteuer: Etikettenschwindel droht
Bei der Finanztransaktionssteuer warnte Brüderle vor einem Etikettenschwindel. Es dürfe nicht so kommen, dass anstatt der Banken die Kunden der Banken belastet werden. Verschärft werden soll seiner Ansicht nach der Hochfrequenzhandel, bei dem Bankgeschäfte zwischen Computern im Millisekundenbereich abgewickelt werden. Zudem solle nur mit dem gehandelt werden, was tatsächlich exisitiert - "keine Luftnummern, keine Leergeschäfte", so Brüderle.
Der FDP-Fraktionschef kreidete zudem der damaligen rot-grünen Bundesregierung an, "den Hedgefonds zu viel erlaubt" zu haben. "Erst den Drachen füttern und dann Jung-Siegfried spielen, das ist scheinheilig", so Brüderle an die Adresse von Rot-Grün.
