Aufschwung: Arbeit von Schwarz-Gelb trägt Früchte
In ihrem Frühjahrsgutachten hatten die Wirtschaftsforscher noch ein Wachstum von 1,5 Prozent vorhergesagt. Am Donnerstag korrigierten die Institute in ihrem Herbstgutachten die Wachstumsprognose auf 3,5 Prozent. Gemeinsam mit den richtigen politischen Rahmenbedingungen wirkt sich das auch auf den Arbeitsmarkt aus. Dieses Jahr erwarten die Ökonomen im Schnitt rund 3,2 Millionen Arbeitslose. Für 2011 soll die Zahl unter drei Millionen liegen. Zum Vergleich: Unter Rot-Grün lag die Arbeitslosenzahl bei über fünf Millionen!Mit dem Aufschwung gehen laut Ansicht der Forscher auch höhere Löhne und Gehälter einher. Um rund 2,8 Prozent dürften diese steigen. Damit werde der private Konsum das Wachstum weiter befeuern, so die Ökonomen.
Die gute Konjunkturentwicklung wirkt sich auch positiv auf den Staatshaushalt aus. 2011 werde die Defizitquote nur noch 2,7 Prozent betragen. In diesem Jahr liegt sie bei 3,8 Prozent. Gleichzeitig ermuntern die Forschungsinstitute die Koalition, bei ihrem Sparkurs zu bleiben. Die Regierung will Ende kommender Woche ihre Konjunkturprognose veröffentlichen.
Früchte langfristiger Wirtschaftspolitik
Martin Lindner Für den Wirtschaftsexperten der FDP-Fraktion, Martin Lindner, hat die christlich-liberale Regierung ihren Anteil an der positiven Entwicklung. "Wir setzen auf die Stabilisierung unserer Staatsfinanzen, haben aber dennoch maßgebende Entscheidungen getroffen, in die Zukunft dieses Landes und in die Zukunft unserer nachfolgenden Generationen zu investieren." Nachhaltige Förderung, Investitionen in Bildung, Wissenschaft und Forschung seien langfristige Wirtschaftspolitik und "kein einmaliges Strohfeuer", so Lindner.Im Unterschied zur Opposition wisse die FDP-Bundestagsfraktion, dass in Phasen wirtschaftlicher Erholung Ressourcen gewonnen werden müssen, um in anderen Abschwungphasen Mittel zum Anschieben zu haben, erklärte Lindner. Ziel müsse nun sein, den derzeitigen Aufschwung zu verstetigen.
Dazu gehöre noch mehr Unterstützung für die heimische Exportwirtschaft, "weil wir wissen, dass wir uns im Export in den nächsten Jahren großen Herausforderungen zu stellen haben; vor allem die Amerikaner wie auch die Chinesen werden mit Macht auf den Markt drängen. Wir müssen der Exportwirtschaft helfen, ihre Spitzentechnologieprodukte noch leichter und zügiger ins Ausland verkaufen zu können."
Deutschland ist Aufschwungland
Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sieht Deutschland als "Aufschwungland." Deutschland bewältige die Krise besser als viele andere fortgeschrittene Volkswirtschaften. Die Maßnahmen der Bundesregierung zur Wachstumsbeschleunigung würden Früchte tragen.
Brüderle sieht es ebenfalls für geboten, im kommenden Jahr "mit der zwingend notwendigen Haushaltskonsolidierung fortzufahren, Eingriffe in die marktwirtschaftlichen Prozesse zurückzunehmen und Eigenverantwortung statt Wettbewerbsverzerrungen zu fördern." Damit stärke man nicht nur die selbsttragenden Wachstumskräfte, sondern gewinne auch wirtschaftspolitische Handlungsspielräume zurück.
Zuzug ausländischer Fachkräfte erleichtern
Damit die positive Entwicklung auch anhält, setzen sich die Liberalen angesichts des Fachkräftemangels seit langem für eine gesteuerte Zuwanderung von ausländischen Hochqualifizierten ein. Der arbeitsmarktpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Johannes Vogel, dringt darauf, den Wettbewerb um die klügsten Köpfe endlich ernst zu nehmen.
Wissing: Wachstum als Chance, nicht als Bedrohung sehen
Volker Wissing In einem Gastartikel für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" macht sich FDP-Finanzexperte Volker Wissing Gedanken zum Begriff des Wirtschaftswachstums. Die Grünen mit ihrer materiell saturierten Klientel beispielsweise wünschten sich nicht quantitatives, sondern qualitatives Wachstum. Weniger Wachstum aber hieße weniger Dynamik und damit auch weniger Aufstiegschancen für die Benachteiligten in der Gesellschaft, schreibt Wissing. Eine Gesellschaft aber, die Wachstum, Wandel und Dynamik als Bedrohung ansehe, neige dazu bestehende Gesellschaftsverhältnisse zu zementieren. Wissing kommt daher zu dem Schluss, dass die eigentliche Diskussion nicht quantitatives oder qualitatives Wachstum heißen kann. "Die eigentliche Diskussion heißt Stagnation oder Dynamik". 